Geschichte des TuS 08

Es gibt in erster Linie zwei Dinge, die den Ort Langerwehe über die Grenzen hinaus bekanntgemacht haben, das sind das Töpfereimuseum und der TuS 08 e.V. Langerwehe. Während das Töpfereimuseum mehr als 1000 Jahre Langerweher Töpferkunst repräsentiert, feiert der TuS 08 e. V. Langerwehe in diesem Jahr sein 109-jähriges Bestehen.

Und doch hat der TuS eine bemerkenswerte Tradition, denn im Gegensatz zu Ton- und Töpferhandwerk kam der Fußball erst zum Ende des 19. Jahrhunderts von England auf das europäische Festland und somit auch nach Deutschland. Es war das Jahr 1906, als Dürener Fußballfreunde das runde Leder in Langerwehe vorführten und für den Fußball warben. Animiert von den Dürener Freunden, gründeten die Langerweher den Fußballclub "Alemannia":

Aber die Alemannia scheiterte erstmals nach kurzer Zeit an der damals noch verbreiteten ablehnenden öffentlichen Meinung. Aber im Jahre 1908 gründete man, zusammen mit Freunden des bestehenden Turnvereins, den Sportverein Langerwehe, den heutigen Turn- und Sportverein 1908 e. V. Langerwehe.

Der 1. Vorsitzende des Vereins hieß Josef Stüttgen, der 1942 nach Köln-Sülz verzog, zum hiesigen Verein Köln-Sülz 07 unterhielt man von dann an gute Kontakte und Beziehungen.

Es begann auf einer Wiese am Kammerbusch. Dort kickte man das runde Leder unter Anleitung und Mithilfe bereits renommierter Fußballer aus Düren, wie z. B. Stollenwerk, Pütz, Cardue u. a.

Der 1. Weltkrieg brachte 1914 ein jähes Ende. 1919 wurde ein neuer Anfang gemacht.

Dabei gewann der Fußball schnell an Ansehen und Qualität. 1922/23 spielte der TuS 08 in der B- bzw. A-Klasse und später in der 2. Bezirksliga. Es kam, zur gleichen Zeit zur Gründung einer Feldhandballabteilung. Zusammen mit dem DSC 03, Germania Düren, dem Mülheimer SV spielte man in der sogenannten Gauliga.

Der wirtschaftliche Niedergang der 30er Jahre störte die sportliche Entwicklung nicht, im Gegenteil, im Jahre 1930/31 erreichte die 1. Mannschaft in der 2. Bezirksklasse den 2. Platz hinter dem seinerzeit großen Rivalen SC Kreuzau 05. Im Jahre 1933 beging der TuS 08 sein 25-jähriges Bestehen. Hier wurde Jakob Kuckertz sen. mit 23 Jahren Vorsitzender des TuS 08 e. V. Langerwehe.

In einem Freundschaftsspiel gegen den Westdeutschen Meister Köln-Sülz 07 erreichte eine verstärkte Langerweher Mannschaft ein achtbaren 5:6. Mehr als 2000 Zuschauer säumten damals schon den Sportplatz an der „Alten Kirche", der ersten offiziellen Spielstätte, die einige Jahre vorher von vielen arbeitslosen Sportkameraden erbaut worden war. Nach 1933 reihten sich Erfolge und Misserfolge aneinander. Zu Beginn des 2. Weltkrieges spielte die 1. Mannschaft in der 1. Kreisklasse. Der 2. Weltkrieg zwang die Vereine bei Aufrechterhaltung des Spielbetriebes zu besonderen Maßnahmen. Langerwehe u. Jgd. Düren bildeten eine Sportgemeinschaft, deren Mannschaft in der Bezirksklasse eingereiht wurde.

1943 kam dann der gesamte Spielbetrieb zum Erliegen. Ende 1944 versank auch ein großer Teil unseres Heimatortes unter dem Bombenhagel in Schutt und Asche.Aber nach Beendigung des Krieges erwachte der alte Sportsgeist sehr bald wieder, und 1946 hatte der Verein wieder einen Vorstand und Spielausschuss und eine Jugendabteilung. Der Sportplatz an der „Alten Kirche" wurde hergerichtet und bespielbar gemacht. Die 1. Mannschaft spielte wieder in der 1. Kreisklasse.

Dann kamen Jahre des Auf- und Abstiegs. 1947/48 Aufstieg in die Bezirksklasse. 1949 Abstieg, 1950 Aufstieg, 1951 wieder Abstieg in die Kreisklasse. 1952 wieder in die Bezirksklasse, die jetzt längere Zeit gehalten wurde. Auch die Jugendabteilung hatte in diesen Jahren schon bemerkenswerte Erfolge; die B-Jugend wurde 1946 Vizemeister des Rheinbezirks, 1949/50 erreichte die A-Jugend die Kreismeisterschaft.

1957 gründete der Verein eine Tischtennis-Abteilung, die im Übrigen im Jahr 2007 auf ihr 50-jähriges Bestehen, ebenfalls ein stolzes Jubiläum, zurückblicken konnte.

Zum gleichen Zeitpunkt mit Gründung der Tischtennisabteilung wurde auch eine AH-Fußball-Abteilung ins Leben gerufen, die zum festen Bestandteil des Vereins wurde.In die 50er Jahre fällt auch ein großes Vorzeigeprojekt: Der TuS 08 baute mit Hilfe des Landessportbundes und der Gemeinde Langerwehe auf unserem Sportplatz an der „Alten Kirche" das erste Jugendheim im Kreisgebiet. Diese Unterkunft hat mehr als 30 Jahre seine Dienste verrichtet, so fanden sogar zwischenzeitlich – Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre die Tischtennisspiele unserer Abteilung dort statt.

In den 60er Jahren begann unter der Vorstandschaft von u. a. Franz Schain sen., Jakob Kuckertz sen. und Heinrich Freitag die stetige Wachstumsphase des TuS 08. Dabei war mit dem FC Schalke 04 auch der Renommierclub aus dem Ruhrgebiet ständiger Gast in Langerwehe und absolvierte Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre insgesamt drei Spiele auf dem Sportplatz an der „Alten Kirche" (gegen die Blackburn Rovers und Standard Lüttich) sowie zur Stadioneinweihung im Schul- und Sportzentrum gegen den TuS 08. Zu verdanken hatten wir dies dem langjährigen Engagements des Mäzens Franz Schain bei den königsblauen Knappen.

 Nach 1970 kam dann auch der absolute Aufstieg des TuS 08. Mit der Verpflichtung des Altinternatonalen Georg Stollenwerg als Trainer, den eine persönliche Freundschaft mit unserem inzwischen verstorbenen Ehrenvorsitzenden, Freund und Gönner des Vereins, Franz Schain sen., und dessen Familie verband, ging es steil bergauf mit dem TuS 08. So führte Georg Stollenwerk die 1. Mannschaft, damals 1972/73, zur Meisterschaft in der Landesliga und damit zum Aufstieg in die höchste Amateurklasse, die Verbandsliga Mittelrhein.

Dieser Klasse gehörte man in den 70er Jahren weiterhin an, bevor 1978/79 die Amateur-Oberliga Nordrhein gegründet wurde. Auf Anhieb spielte der Jubilar mit einer Ausnahme (1981/82) bis 1984 in dieser Klasse. In diese Zeit fallen denn auch die größten Erfolge des TuS 08 Langerwehe im bundesweiten DFB-Pokal-Wettbewerb. So bekannte Gegner und Profi-Vereine wie der MSV Duisburg, Hertha BSC Berlin, Borussia Mönchengladbach, VFL Osnabrück, Eintracht Trier, Spvgg. Bayreuth und RW Oberhausen sind nur einige Mannschaften, gegen die der TuS 08 zwischen 1975 und 1981 bei sechs DFB-Pokalteilnahmen gespielt und in vielen Fällen sogar gewonnen hat.

Das wohl unvergesslichste Erlebnis in der Geschichte des TuS 08 fand dabei wohl am Mittwoch, dem 30.01.1980, statt, als der renommierte Bundesligist Hertha BSC Berlin mit seinem bekannten Trainer „Fiffi" Kronsbein und seinen erprobten Bundesliga-Stars wie Wolfgang Kleff, Uwe Kliemann („der Funkturm von Berlin") und Thomas Remark, um nur einige Namen zu nennen, zum Wiederholungsspiel der 3. DFB-Pokalrunde im Langerweher Sportstadion gastierte. Das erste Spiel am 12.01.1980 im Berliner Olympiastadion endete bekanntlich nach Verlängerung torlos 0:0, so dass dieses zweite Spiel erforderlich wurde. Und nicht nur im Vorfeld zu diesem absoluten „Highlight" in der TuS-Geschichte stand ein ganzer Ort bzw. eine ganze Region „kopf", erst recht nach dem unglaublichen 2:1-Sieg der Langerweher Amateure über die Bundesliga-Profis kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Nur gut zwei Wochen später, am Karnevalsamstag, dem 16.02.1980 ging es in der 4. DFB-Pokalrunde zum Zweitligisten und „Bayern München-Bezwinger“ Spvgg. Bayreuth. Auch wenn die Partie letztlich in der Verlängerung mit 2:5 Toren verloren ging, so waren die Lobeshymnen ganz auf Seiten der TuS-Mannschaft mit ihrem Erfolgstrainer Manfred Schlebusch.

Zur vorerst letzten Teilnahme am DFB-Pokal kam es dann schon in der neuen Saison 1980/81. In der 2. Hauptrunde trafen die TuSler auf keinen geringeren als die Fohlen-Elf vom Bökelberg, den VfL Borussia Mönchengladbach, mit ihrem Trainer Jupp Heynckes und dem damals blutjungen Lothar Matthäus. Am Ende stand es 7:1 für den Bundesligisten und Favoriten, so dass eine aufregende Zeit zunächst einmal sein Ende fand.

Im Laufe der 80er Jahre sind neben den sportlichen Aktivitäten auf dem Platz weitere wichtige Ereignisse zu nennen: So wurde unser neues Clubheim, das Franz-Schain-Sportheim (Bild unten), am Sportplatz an der „Alten Kirche" fertig gestellt. Es wurde nicht nur Heimat der Fußballer beim TuS 08, sondern der durch Boris Becker ausgelöste Tennis-Boom in Deutschland führte dazu, dass sich 1986 eine Tennisabteilung gründete, die in ihrer Glanzzeit bis zu 200 Mitglieder hatte und unser Clubheim sehr stark belebte. Insgesamt wurden vier Tennisplätze hergestellt, die damals eine sehr hohe Auslastung erfuhren. Doch mit Beendigung der Ausnahmekarrieren von Steffi Graf und Boris Becker legte sich die Begeisterung und das Interesse am Tennis immer mehr, so dass die Abteilung 2002 ihren Spielbetrieb einstellen musste.

Am Erweiterungsbau unseres Clubheims, der Mitte der 90er Jahre fertig gestellt war, waren besonders unsere langjährigen und treuen Vorstandsmitglieder Josef Breuer und Josef Schell (+) maßgeblich beteiligt.

Nicht unerwähnt bleiben darf die hervorragende und erstklassige Arbeit in unserer Fußball-Jugendabteilung, die bereits Mitte d

er 70er Jahre begann und zehn Jahre später ihren Höhepunkt hatte. Es war in erster Linie ein Verdienst des Jugendvorstandes um Jugendleiter Robert Kurth und seine Mitstreiter Arnold Black bzw. Josef Sinzig, dass die Jugendabteilung des TuS 08 im Kreis Düren zu einer der besten, wenn nicht sogar zur besten Adresse aufgestiegen war. So spielte z. B. die A-Jugend-Mannschaft des TuS 08 in der Saison 1984/85 in der Verbandsliga, damals der höchsten Junioren-Klasse im Verbandsgebiet. Mit von der Partie waren zum damaligen Zeitpunkt unsere Eigengewächse Dietmar Meyer und Manfred Stärk, die von da an auch wichtige Stützen unserer 1. Mannschaft waren.

Gerade das Jahr 1984 brachte auch so manche personelle Veränderung an exponierter Stelle. Der langjährige Vorsitzende Jakob Kuckertz sen. kandidierte nach jahrzehntelanger Vorstandstätigkeit aus Altersgründen nicht mehr und wurde bei der Jahreshauptversammlung am 27.04.1984 im Vereinslokal „Schützenhof“ zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Zu seinem Nachfolger wurde der langjährige Spieler unserer 1. Fußball-Mannschaft, Franz-Hermann Simons, gewählt.Ein weiterer langjähriger Spieler bekam in diesem Jahr ebenfalls eine neue Funktion zugewiesen. Hermann Grümmer, zunächst noch als Obmann innerhalb des Vorstandes tätig, übernahm die gegen den Abstieg aus der Oberliga Nordrhein kämpfende 1. Mannschaft. Doch auch mit ihm konnte zum Ende der Spielzeit 1983/84 die Rückversetzung in die Verbandsliga Mittelrhein nicht vermieden werden. Dennoch blieb er Trainer einer neuformierten Mannschaft in der Verbandsliga und läutete damit eine „Ära“ beim TuS 08 ein. Drei Aufstiege feierte er in den 90er Jahren von der Verbands- in die Oberliga, aber ebenso viele Abstiege gab es in diesem Zeitraum zu beklagen. Das tolle am ersten Aufstieg in der Saison 1989/90 war die Tatsache, dass der TuS 08 in der darauffolgenden Oberliga-Saison mit dem „großen Nachbarn“ Alemannia Aachen, der aus der 2. Liga abgestiegen war, in einer Klasse spielte. Nicht nur die Heimspiele gegen die Kaiserstädter vor großer Kulisse im Sportstadion waren für alle Beteiligten tolle Erlebnisse, auch die Auswärtsspiele auf dem altehrwürdigen und legendären Tivoli bleiben uns allen noch heute in unvergesslicher Erinnerung. In den 90er Jahren blieb der TuS 08 somit durch seine nun schon über 20 Jahre währende Präsenz in den beiden höchsten, deutschen Amateurklassen eine bewährte und anerkannte Kraft in Fußballer-Kreisen, bis zum Jahr 1999. Zunächst schaffte man es sogar nochmals bis in den DFB-Pokal und empfing dort in der 2. Hauptrunde den ostdeutschenZweitligisten Chemnitzer FC. Mit 0:6 Toren ging diese Partie verloren.

Nur wenige Monate später, im November 1999, musste unsere 1. Mannschaft aus wirtschaftlichen Gründen vom laufenden Spielbetrieb zurückgezogen werden. Es begannen knapp drei Jahre des Hoffen und Bangen, bis im Jahre 2002 ein kompletter Neubeginn gestartet werden konnte. Mit Trainer Günter Kirch, der in früheren Zeiten schon als Spieler und Trainer beim TuS 08 erfolgreich gespielt und gearbeitet hat, nahm man den Senioren-Spielbetrieb wieder auf und schaffte auf Anhieb den angestrebten Aufstieg von der Kreisliga C in die Kreisliga B.

Heute hat der TuS 08 Langerwehe zwei Herren-Mannschaften (Bezirksliga und Kreisliga B) sowie eine Frauen-Mannschaft (Kreisliga) für den Spielbetrieb im Fussballkreis Düren gemeldet.

Die Fußball-Jugendabteilung und auch die Tischtennisabteilung waren im Übrigen nie direkt von den „Turbulenzen“ zur Jahrtausendwende betroffen und gingen jederzeit und ununterbrochen dem aktiven Sport nach. Im Juni 2014 schloss sich die Tischtennis-Abteilung nach 57 Jahren Vereinszugehörigkeit dem Nachbarverein VFL 63 Langerwehe an.

Im Jahr 2017 verzeichnet die Fussball-Jugendabteilung 8 Jungenmannschaften von den Bambinis bis zur A-Jugend sowie eine Mädchenmannschaft. (teilweise Spielgemeinschaften)

Am 24.10.2015 eröffnete in Dortmund das Deutsche Fußballmuseum. Unter der Rubrik "Helden für einen Tag" wird der Sensationserfolg des TuS gegen Hertha BSC Berlin aus dem Jahr 1980 gewürdigt. Das Team um den damaligen Trainer Manfred Schlebusch, seine Kapitän Franz-Hermann Simons sowie dem Torschützen zum 1:0 Friedhelm Hauck, erhält somit seinen verdienten Platz in der deutschen Fußballgeschichte.

 

Im Jahr 2017 wurde ein weiterer baulicher Meileinstein für die Zukunft des TuS 08 Langerwehe erreicht. Nach jahrelangen Planungen und dank umfangreicher Eigenleistung vieler Mitglieder, wurde am 24.08.2017 der neue Kunstrasenplatz auf der alterwürdigen Sportanlage "An der Alten Kirche" eröffnet. Damit hat der TuS nicht nur eine hochmoderne Sportanlage, sondern nach vielen Jahren endlich wieder eine zentrale Heimat rund um das Franz-Schain-Sportheim.

Im Zuge dieses Projektes wurde im Jahr 2016 der club108 ins Leben gerufen. Der Club, bestehend aus mehr als 100 fußballbegeisterten Gönnern, hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltig den Kinder-, Jugend- und Leistungsfußball beim TuS 08 Langerwehe zu fördern und die Zukunft des Vereins zu sichern.